PV-Notstrom: Speicher und Umschaltung sicher planen
Das Wichtigste in Kürze
- Reine PV-Anlagen liefern bei Stromausfall keinen Strom. Für Notstrom brauchen Sie einen netzbildenden Wechselrichter, eine Umschalteinrichtung und einen Batteriespeicher.
- Typische Backup-Ziele: Grundversorgung mit 200–500 W Dauerlast. Übliche Speichergrößen 5–10 kWh, Wechselrichterleistung 3–6 kW.
- Umschaltzeiten liegen je nach System von unter 20 ms (USV-tauglich) bis zu einigen Sekunden (Ersatzstrom-Schiene). Prüfen Sie den Bedarf Ihrer Geräte.
- Verluste: Rundlaufwirkungsgrade von Heimspeichern liegen meist bei 85–92 %. Planen Sie 10–15 % Energieverlust ein.
- Kosten 2025: Auf Basis von Herstellerpreislisten und Installateurangeboten liegt die Nachrüstung inkl. 5–10 kWh Speicher meist bei 8.000–16.000 €; im Neubau Mehrpreis oft 1.000–3.000 €.
- Umwelt: Das Umweltbundesamt empfiehlt bedarfsgerechte Speicher und die Nutzung von Dachflächen, um Ressourcen zu schonen (UBA, 2023, „So gelingt der umweltschonende Solarausbau“).
Was Sie wissen sollten
Die folgenden Hinweise gelten für Deutschland. Netzgekoppelte PV-Anlagen müssen bei Netzausfall abschalten – das ist gesetzlich vorgeschrieben, um Monteure im Netz zu schützen.
Wichtige Regelwerke: VDE-AR-N 4105 (Erzeugungsanlagen), VDE-AR-N 4100 (Anschlusseinrichtungen), DIN VDE 0100-551 (Umschaltung) und DIN VDE 0100-712 (PV-Anlagen). Dazu kommen die TAB (Technische Anschlussbedingungen) Ihres Netzbetreibers. Arbeiten an der Hausinstallation dürfen nur eingetragene Elektrofachbetriebe ausführen (NAV §13).
Viele Systeme bieten drei Versorgungslevel:
- Notstrom-Steckdose am Wechselrichter: Manuell, oft 1,5–3 kW, einphasig.
- Ersatzstrom für ausgewählte Stromkreise: Automatische Umschaltung in 1–3 Sekunden, 3–10 kW möglich (häufig nur eine Phase!).
- Voll-Inselbetrieb (dreiphasig): Versorgt das ganze Haus; teurer und mit per-Phase-Leistungsgrenzen (oft ca. 1/3 der Gesamtleistung) verbunden.
Wichtig: Energie (kWh) bestimmt, wie lange der Speicher durchhält – Leistung (kW) bestimmt, wie viele Geräte gleichzeitig laufen können. Motoren (Kühlschrank, Wärmepumpe) ziehen beim Start kurz das 3–7‑Fache ihrer Nennleistung.
Einphasige Systeme können nur eine der drei Hausphasen versorgen. IT-Geräte wie Router oder NAS benötigen schnelle Umschaltzeiten unter 20 Millisekunden, sonst starten sie neu.
Für die Batterielebensdauer gilt: Nicht ständig voll laden oder komplett entleeren. Ein Ladezustand zwischen 20 und 80 % schont den Akku.
Brandschutz und Aufstellung: Bevorzugt in trockenem, gut belüftetem Technikraum oder Garage, nicht in Schlafräumen oder Fluchtwegen, Abstand zu brennbaren Materialien gemäß Herstelleranleitung. Relevante Sicherheitshinweise bietet z. B. VDE-AR-E 2510-50 (stationäre Lithiumspeicher). Klären Sie mit Versicherer und Fachbetrieb zusätzliche Auflagen (z. B. Feuerwiderstandsklasse von Türen, Beschilderung, Wartung).
Melde- und Genehmigungspflichten: PV und Speicher beim Netzbetreiber anmelden und innerhalb eines Monats im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eintragen. Kleine Heimspeicher sind meist genehmigungsfrei; bei größeren/kommerziellen Systemen können kommunale Brandschutzauflagen oder zusätzliche Anzeigen (z. B. Gewerbeaufsicht) erforderlich sein.
So sparen Sie konkret
- Kritische Lasten definieren: Addieren Sie nur das, was im Ausfall nötig ist. Beispiel pro Tag: Kühlschrank 0,8 kWh, Router 0,1 kWh, Licht 0,3 kWh, Gastherme 0,2 kWh, Laptop 0,2 kWh = 1,6 kWh. Mit 30 % Reserve: 2,1 kWh. Richtwerte: Kühlschrank 80–150 W (Anlauf bis 800 W), Router 5–15 W, LED-Raum 5–10 W, Umwälzpumpe 30–60 W, Gastherme 50–150 W, Tiefkühler 80–150 W, Wärmepumpe 1–3 kW (Anlauf höher).
- Speichergröße berechnen: Legen Sie die Autonomie nach Ziel fest (typisch 8–24 Stunden; 24 h ist Komfort-Option). Bei 2,1 kWh Bedarf und 80 % nutzbarer Kapazität reichen rechnerisch ≈ 2,6 kWh. Praxisnah sind 5–7 kWh, um Reserven für Anlaufströme, Schlechtwetter und Alterung zu haben.
- Wechselrichterleistung wählen: Summieren Sie Maximalleistungen und berücksichtigen Sie Anlaufspitzen. Für Grundversorgung genügen oft 3–5 kW, für Wärmepumpen/induktive Lasten eher 6–10 kW. Achten Sie auf netzbildende Fähigkeit, zulässige Überlast (z. B. 2× für Sekunden), Phasenverteilung und ggf. dreiphasigen Betrieb.
- Umschalteinrichtung klären: Benötigen Ihre Geräte USV-ähnliche Umschaltzeiten (< 20 ms)? Viele Hybridwechselrichter schaffen 1–3 s. Für IT ggf. kleine USV ergänzen. Umschalter müssen allpolig und mechanisch verriegelt sein (I-0-II/ATS); je nach Netzform kann die Umschaltung des Neutralleiters erforderlich sein.
- Betriebsstrategie einstellen: Legen Sie eine Mindest-Reserve von 20–40 % Ladezustand fest. Nutzen Sie die Automatik, um vor Unwettern oder im Winter gezielt zu laden. Moderat laden und entladen schont den Speicher langfristig.
- Eigenverbrauch optimieren: Verschieben Sie planbare Verbraucher in Sonnenstunden. Jede gespeicherte kWh, die Netzstrom ersetzt, spart bei 2025er Preisen von etwa 0,30–0,40 €/kWh entsprechend 0,30–0,40 €.
- Beispielrechnung: Wenn Ihr Speicher täglich netto 5 kWh ersetzt, sparen Sie bei 0,35 €/kWh rund 1,75 €/Tag bzw. ca. 640 €/Jahr. Berücksichtigen Sie 12 % Speicherverluste: Geladen werden müssen dafür etwa 5,7 kWh.
- Fachbetrieb beauftragen: Arbeiten an der Hausinstallation sind Laien verboten. Keine provisorische Einspeisung über Steckdosen – Lebensgefahr! Der Elektrofachbetrieb klärt mit Ihnen: Umschaltkonzept, Platz im Zählerschrank, Anmeldung beim Netzbetreiber und Eintrag ins Marktstammdatenregister.
- Brandschutz und Versicherung: Speicher gehören in trockene, belüftete Räume – nicht ins Schlafzimmer oder den Fluchtweg. Informieren Sie Ihre Gebäudeversicherung über die Anlage.
- Umweltbewusst auslegen: Folgen Sie der UBA-Empfehlung zur bedarfsgerechten Dimensionierung und bevorzugen Sie langlebige, reparierbare Systeme. Kleine bis mittlere Speicher decken oft den Bedarf und schonen Ressourcen.
Fazit
Notstrom mit der eigenen PV gelingt, wenn Speichergröße, Wechselrichterleistung und Umschalttechnik zu Ihren tatsächlichen Bedürfnissen passen. Rechnen Sie Verbrauch und Leistung ehrlich durch, planen Sie 10–15 % Speicherverluste ein und halten Sie Reservekapazität bereit. Mit einem netzbildenden Wechselrichter, fachgerechter Umschaltung und kluger Betriebsstrategie erhöhen Sie Ihre Versorgungssicherheit – und optimieren nebenbei Eigenverbrauch und Kosten.