PV aufs Dach: Potenzial, Förderung, Amortisation prüfen
Das Wichtigste in Kürze
- UBA empfiehlt: Dächer und versiegelte Flächen zuerst, naturschonend planen und Recycling mitdenken (UBA-Studie 2024)
- Geeignetes Dach: wenig Verschattung, Süd/West/Ost, Neigung 10–40°, tragfähige Statik und intakte Dachhaut
- Typischer Ertrag: 800–1.000 kWh pro kWp und Jahr in Deutschland, abhängig von Standort und Ausrichtung (Stand 2025)
- Kosten grob: 1.300–1.800 € pro kWp schlüsselfertig für Aufdachanlagen; 8 kWp etwa 10.400–14.400 € (Stand 2025)
- Erlöse/Ersparnis: Eigenverbrauch spart derzeit ca. 30–45 ct/kWh; EEG-Vergütung bei Teileinspeisung meist etwa 5–9 ct/kWh, Volleinspeisung oft 9–13 ct/kWh, abhängig von Größe und Inbetriebnahmequartal (Stand 2025)
- Amortisation: häufig 8–12 Jahre als Orientierung, stark abhängig von Standort, Preisen, Nutzung und Förderungen
Was Sie wissen sollten
Das Umweltbundesamt (UBA) rät für umweltschonenden Ausbau, zuerst Dachflächen zu nutzen, Eingriffe in Natur und Landschaft zu vermeiden und kreislauffähige Komponenten zu bevorzugen. Praktisch heißt das: Brandschutz und Entwässerung früh mitplanen, unnötige Dachdurchdringungen vermeiden und Demontage/Recycling vorbereiten.
Vorab-Check am Gebäude: Dachstatik, Alter/Zustand der Dachhaut (ideal Restlebensdauer ≥25 Jahre), Zählerplatz und Hausanschluss, Verschattung. Wer ohnehin saniert, kann PV mit der Dacherneuerung bündeln und so Gerüst- und Montagekosten sparen.
Speicher sind kein Muss. Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch oft bei 25–35 %, mit Speicher (passend dimensioniert) bei etwa 50–70 % (Stand 2025). Das erhöht die Stromkosteneinsparung, verlängert aber durch Mehrinvest die Amortisation leicht.
Rechtlich-organisatorisch: Anmeldung beim Netzbetreiber, Netzverträglichkeitsprüfung, Inbetriebsetzungsprotokoll, Zweirichtungszähler und Registrierung im Marktstammdatenregister (Bundesnetzagentur) sind Pflicht. Ein Smart Meter kann je nach Leistung und Messstellenbetreiber erforderlich sein; mit dem Rollout ab 2025 werden Anlagen ab etwa 7 kW und steuerbare Verbraucher häufiger mit Smart Meter ausgestattet (MsbG).
Steuern/Abgaben: Für Kauf und Installation typischer Wohnhaus-PV samt Speicher gilt in der Regel der Umsatzsteuersatz 0 % (§12 Abs. 3 UStG), wenn die Anlage auf/nahezu an Wohngebäuden installiert wird; Details hängen von Anlagentyp, Leistungsgröße und Vertragsgestaltung ab. Die umsatzsteuerliche Behandlung von Stromlieferungen/Einspeisung ist gesondert zu prüfen. Ertragsteuerlich sind kleine Dachanlagen bis 30 kW je Wohngebäude meist begünstigt (§3 Nr. 72 EStG). Bitte individuelle Klärung mit Steuerberatung. EEG-Vergütungen richten sich nach Inbetriebnahmequartal, Anlagengröße und Betriebsmodell (Teileinspeisung/Volleinspeisung).
Genehmigungen: Aufdachanlagen sind oft verfahrensfrei, bei Denkmalschutz, Gestaltungssatzungen oder besonderen Gebäudekategorien kann eine Genehmigung nötig sein. Statik, Blitzschutz, Brandschutz und ggf. Wind-/Schneelasten (Flachdach) beachten. Mess- und Einspeisekonzepte vorab mit Netz- und Messstellenbetreiber abstimmen.
So sparen Sie konkret
- Dachpotenzial einschätzen: Pro kWp rechnen Sie mit 5–7 m² Modulfläche. 8 kWp benötigen etwa 40–55 m². Süd maximiert Jahresertrag, Ost/West verteilt Lasten besser über den Tag. Verschattungen durch Gauben, Bäume, Nachbarn prüfen.
- Verbrauchsprofil kennen: Ein Vier-Personen-Haushalt liegt oft bei 3.500–4.500 kWh/Jahr. Tagsüber laufende Verbraucher (Waschen, Spülen, Warmwasser-WP) erhöhen den Eigenverbrauch; jede selbst genutzte kWh spart derzeit grob 30–45 ct.
- Beispielrechnung (Orientierung, Stand 2025): Annahmen: 8 kWp, 900 kWh/kWp → 7.200 kWh/Jahr; Speicher 7 kWh; Eigenverbrauchsanteil ca. 60 %; Haushaltsstrompreis 0,37 €/kWh; Degradation 0,5 %/a; keine Zuschüsse; Wechselrichtertausch nach 12–15 Jahren (
1.200 €); Speicherdauer 10–15 Jahre. Ergebnis Jahr 1: 4.320 kWh selbst genutzt → ≈ 1.598 €/Jahr Ersparnis; Einspeisung 2.880 kWh zu 0,08 €/kWh → ≈ 230 €/Jahr; Summe ≈ 1.828 €/Jahr. Invest: PV 8 kWp × 1.500 €/kWp = 12.000 €, Speicher 7 kWh × 900 €/kWh = 6.300 € → 18.300 €. Betrieb/Wartung ≈ 1 %/a der PV-Kosten (120 €). Nettoersparnis ≈ 1.708 €/Jahr → grob 10–11 Jahre Amortisation. Sensitivität: Bei 0,30 €/kWh verlängert sich die Amortisation um etwa 2–3 Jahre, bei 0,45 €/kWh verkürzt sie sich um etwa 1–2 Jahre. Ohne Speicher sinkt die Investition, der Eigenverbrauch liegt dann eher bei 30–35 %. - Förderungen sichern: EEG-Vergütungshöhen hängen von Größe und Inbetriebnahmequartal ab (Stand 2025: Teileinspeisung meist etwa 5–9 ct/kWh, Volleinspeisung häufig 9–13 ct/kWh). 0 % Umsatzsteuer kann die Investitionskosten deutlich senken; zusätzlich kommunale/Landesprogramme für Speicher/PV prüfen, Antragsfristen beachten.
- Umweltfreundlich umsetzen: Langlebige, reparierbare Komponenten wählen, schadstoffarme Baustoffe einsetzen. Achten Sie auf Hersteller-Rücknahme (WEEE/ElektroG), Recyclingprogramme (z. B. PV CYCLE), EPDs sowie Konformitäten (IEC 61215/61730). Für Speicher gelten Kennzeichnungspflichten der EU-Batterieverordnung; prüfen Sie Garantie- und Rücknahmeregeln.
- Amortisation optimieren: Eigenverbrauch durch Lastverschiebung, smarte Steuerung, Wärmepumpe oder E-Auto-Ladung erhöhen. Ost/West-Layouts können den nutzbaren Anteil steigern. Digitale Ertragsüberwachung hilft, Abweichungen früh zu erkennen; Reinigung nur bei deutlicher Verschmutzung.
Fazit
Wer sein Dach prüft, sauber plant und den Rechtsrahmen nutzt, kann mit einer PV-Anlage langfristig Stromkosten senken und Umwelt sowie Netz entlasten. Mit realistischen Erträgen von 800–1.000 kWh/kWp, Investitionskosten um 1.300–1.800 €/kWp (Stand 2025) und kluger Lastnutzung sind Amortisationszeiten von rund 8–12 Jahren erreichbar. Entscheidend sind Standort, Preise, Eigenverbrauchsgrad und die korrekte Abwicklung von Netzanschluss, Messkonzept, MaStR-Registrierung und Steuern.