Notstrom mit PV+Speicher: Lasten richtig priorisieren
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Konzepte: Ersatzstrom (ausgewählte Stromkreise) oder Voll-Notstrom/Netzersatz (gesamtes Haus). Ersatzstrom ist günstiger und oft völlig ausreichend.
- Priorisieren Sie kritische Lasten: Kühlgerät (≈1 kWh/Tag), Heizungssteuerung/Umwälzpumpe (≈60–120 W), Router (≈10 W), LED-Licht (≈5–8 W pro Lampe).
- Laufzeit grob rechnen: 10 kWh nutzbarer Speicher bei 300 W Durchschnittslast ≈ 33 Stunden. Jede eingesparte 100 W verlängert die Autarkie deutlich.
- Kosten nach aktuellen Marktzahlen: Heimspeicher ca. 700–1.200 €/kWh; Umschalt-/Backup-Hardware ca. 800–4.000 €. Haushaltsstrompreis 2025 typischerweise 0,30–0,40 €/kWh.
- Klimaanpassung im Blick: Das Umweltbundesamt würdigt mit dem Bundespreis „Blauer Kompass“ seit 10 Jahren Projekte zur Anpassung an Klimafolgen – Resilienz in der Energieversorgung gehört dazu (Umweltbundesamt, 10 Jahre „Blauer Kompass“).
- Installation und Sicherheit: Umschalteinrichtungen müssen fachgerecht installiert werden; Inselbetrieb darf das Netz nicht rückspeisen.
Was Sie wissen sollten
Bei Stromausfällen sichern PV-Anlagen ohne Speicher keinen Betrieb – die Anlage schaltet aus Sicherheitsgründen ab. Mit Speicher und notstromfähigem Wechselrichter ist weiter Energieversorgung möglich. Es gibt zwei Varianten: Ersatzstrom versorgt ausgewählte Stromkreise (z. B. Küche, Heizung, Licht), Voll-Notstrom speist das gesamte Haus. Wechselrichter-Leistungen liegen häufig zwischen 3–10 kW; für die meisten Haushalte reichen 3–5 kW Dauerleistung, wenn große Verbraucher wie Elektroherd oder Durchlauferhitzer im Notfall deaktiviert bleiben.
Typische Grundlasten im Notbetrieb:
- Kühl-/Gefriergerät: 0,8–1,5 kWh pro Tag (Kompressor läuft intermittierend)
- Gas-/Öltherme inkl. Regelung/Umwälzpumpe: 60–120 W (≈1,4–2,9 kWh/Tag)
- Router/Telefon: 8–12 W (≈0,2–0,3 kWh/Tag)
- LED-Grundbeleuchtung: 2–4 Lampen à 6–8 W (bei 4 h Nutzung ≈0,05–0,1 kWh/Tag)
Beispielrechnung: Priorisierte Last von 300–400 W über den Tag ergibt 7,2–9,6 kWh/Tag. Ein 10-kWh-Speicher hält so rund 25–33 Stunden. Liefert die PV tagsüber zusätzlich Energie (z. B. 2–4 kWh bei Sonne), verlängert sich die Laufzeit entsprechend. In der dunklen Jahreszeit ist der PV-Beitrag jedoch stark wetterabhängig – planen Sie konservativ.
Finanziell lohnt sich Priorisierung doppelt: Jede vermiedene kWh spart im Alltag 0,30–0,40 € und erhöht im Notfall die Autarkie. Wer die Notstromlösung als „Energiespar-Trainingslager“ nutzt, profitiert ganzjährig.
So sparen Sie konkret
- Lastenliste A/B/C erstellen: A = lebens- oder sicherheitsrelevante Lasten (Heizung, Kühlung, Kommunikation), B = Komfort (einige Steckdosen, Licht), C = Spitzenlasten (Backofen, Durchlauferhitzer). Trennen Sie C im Notfall konsequent.
- Grundlast unter 300 W bringen: Moderne Kühlgeräte (≈0,6–0,9 kWh/Tag) statt alter Modelle (≥1,5 kWh/Tag) sparen 0,6–0,9 kWh täglich, also 0,18–0,36 € und mehrere Stunden Speicherlaufzeit.
- Heizung effizient betreiben: Zirkulationspumpen nur zeitweise aktivieren. Eine 30-W-Pumpe spart bei 12 h Abschaltung ≈0,36 kWh/Tag. Thermostate auf niedrige, stabile Werte setzen; häufiges Hoch-/Runterfahren kostet Energie.
- Kommunikation sichern, Strom sparen: Router (10 W) laufen lassen, aber WLAN-Leistung drosseln oder Gastnetz aus. Handy/Laptop-Laden planen: Ein Smartphone-Ladevorgang ≈10 Wh – mehrere Geräte gebündelt laden.
- Licht mit LED und Nutzen begrenzen: Zwei 6-W-LEDs für 4 h verbrauchen ≈0,05 kWh. Stirnlampen/Powerbanks bereithalten – entlastet den Hausspeicher.
- Wechselrichter-Leistung begrenzen: In vielen Systemen lässt sich die maximale Notstromleistung auf z. B. 1–2 kW deckeln. Das verhindert versehentliches Zuschalten großer Verbraucher und spart Batteriestrom.
- PV-Ertrag im Inselmodus klug nutzen: Energieintensives nur bei Sonne und Speicherfüllstand >60 % betreiben. Beispiel: Erbringt die PV 3 kWh am Mittag, können Sie davon 1 kWh für Waschgang Kalt/40 °C einplanen und 2 kWh zum Nachladen reservieren.
- Ersatzstrom statt Voll-Notstrom wählen: Die selektive Versorgung weniger Stromkreise senkt Hardwarekosten oft um 1.000–2.000 € und ist für die meisten Haushalte ausreichend.
- Notstromkreis sauber verdrahten: Einen eigenen Sicherungskreis für A-Lasten (Kühlung, Heizung, Kommunikation) anlegen. Das reduziert Fehlbedienung und erhöht die Verfügbarkeit.
- Zweimal jährlich testen: 15–30 Minuten Probelauf, Verbraucher zuschalten, Notfallplan prüfen. So vermeiden Sie Überraschungen – Batteriestand, Umschaltzeit, PV-Nachladung dokumentieren.
Fazit
Wer PV und Speicher besitzt, kann mit Ersatzstrom- oder Voll-Notstromkonzepten Ausfälle überbrücken. Entscheidend ist die Priorisierung: Reduzieren Sie die Grundlast auf 200–400 W, dimensionieren Sie den Speicher realistisch und nutzen Sie Sonnenstunden bewusst. So verlängern Sie die Laufzeit deutlich und sparen im Alltag Stromkosten. Das Umweltbundesamt betont seit 10 Jahren mit dem „Blauen Kompass“ die Bedeutung von Klimaanpassung – robuste, effiziente Notstromlösungen sind ein pragmatischer Beitrag auf Haushaltsebene.