Das Wichtigste in Kürze

  • Lastverschiebung nutzt günstige Stundenpreise und senkt Stromkosten spürbar; laut Bundesnetzagentur (SMARD) schwanken die Börsenpreise über den Tag oft um mehrere Cent bis über 10 ct/kWh.
  • Schon kleine Flexibilität wirkt: Das Umweltbundesamt betont, dass bereits rund zwei Prozent verschiebbare Nachfrage deutliche Systemeffekte auslösen können („Zwei Prozent, die viel bewirken können“).
  • Dynamische Tarife sind rechtlich möglich: EnWG §41a verpflichtet größere Lieferanten, mindestens einen dynamischen Tarif für Kunden mit intelligentem Messsystem anzubieten.
  • PV-Eigenverbrauch bringt meist 20–30 ct/kWh Vorteil gegenüber Einspeisung, weil der Haushaltsstrompreis höher ist als die Vergütung; smarte Steuerung erhöht diese Ersparnis.
  • Für Wärmepumpen/Wallboxen gelten §14a-EnWG-Regeln: Netzbetreiber dürfen steuern, müssen aber mindestens 4,2 kW bereitstellen; im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte (BNetzA).

Was Sie wissen sollten

Die Börsenpreise für Strom schwanken über den Tag erheblich. Nach Daten der BNetzA-Marktplattform SMARD sind mittags bei viel Wind und PV oft niedrige, abends häufig höhere Preise zu beobachten – Differenzen von mehreren Cent bis über 10 ct/kWh sind keine Seltenheit. Diese Schwankungen bilden die Grundlage für Lastverschiebung und dynamische Tarife.

Ein dynamischer Tarif erfordert ein intelligentes Messsystem (iMSys) nach Messstellenbetriebsgesetz. Mit iMSys können stündliche Preise korrekt abgerechnet werden. EnWG §41a verpflichtet größere Lieferanten, mindestens einen solchen Tarif anzubieten.

Für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Wallboxen gelten die §14a-EnWG-Regeln. Netzbetreiber dürfen die Leistung zeitweise begrenzen, müssen aber mindestens 4,2 kW garantieren. Im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte (BNetzA).

Das UBA hebt hervor, dass schon geringe flexible Anteile – etwa 2 % der Nachfrage – Lastspitzen und damit Kosten im Gesamtsystem verringern können. Davon profitieren Netzstabilität und mittelfristig auch Endkundenpreise.

So sparen Sie konkret

  1. Verbrauch analysieren: Ermitteln Sie verschiebbare Lasten. Typische Kandidaten sind Geschirrspüler (1–1,5 kWh/Zyklus), Waschmaschine (0,8–1,2 kWh) und Trockner (1,5–2,5 kWh). Bei 4 Waschgängen pro Woche ergeben sich schnell 300–400 kWh/Jahr verschiebbare Energie.
  2. Dynamischen Tarif nutzen: Mit iMSys zu einem dynamischen Tarif wechseln (EnWG §41a). Konservative Rechnung: Bei 300 kWh/Jahr verschobener Last und 8 ct/kWh Preisunterschied sparen Sie rund 24 € pro Jahr. Mit größeren Lasten (siehe EV/Heizung) steigt die Ersparnis deutlich.
  3. Elektroauto smart laden: Laden Sie bevorzugt in günstigen Stunden. Beispiel: 10 kWh pro Lade-Tag, an 200 Tagen/Jahr, Preisunterschied 8 ct/kWh ergibt ca. 160 € Ersparnis pro Jahr. Liegt die Differenz oft bei 12 ct/kWh, sind es etwa 240 €.
  4. Wärmepumpe zeitlich optimieren: Nutzen Sie Heizkurven, Pufferspeicher und Warmwasserbereitung in günstigen Stunden. Bei 4.000 kWh/Jahr WP-Verbrauch und 30% verschiebbarer Anteil sparen Sie bei 6 ct/kWh Differenz rund 72 € jährlich. Unter §14a können zusätzlich reduzierte Netzentgelte greifen; Details beim Netzbetreiber erfragen (BNetzA-Regelrahmen, Mindestleistung 4,2 kW).
  5. PV-Eigenverbrauch erhöhen: Starten Sie Verbraucher bei Sonne. Beispiel: Wenn 1.000 kWh PV-Strom statt Einspeisung selbst genutzt werden und der Vorteil gegenüber Einspeisung 24 ct/kWh beträgt, sparen Sie ca. 240 € pro Jahr. Smarte Steuerung (z.B. Geschirrspüler-Timer, Warmwasser mittags) steigert die Eigenverbrauchsquote.
  6. Automatisieren statt manuell: Smarte Steckdosen/Relais (ca. 20–60 € pro Gerät) oder ein Energiemanagementsystem schalten Verbraucher nach Börsenpreis (SMARD-basierte Tarife) oder PV-Überschuss. Erzielen Sie damit 400 kWh/Jahr Zusatzverschiebung bei 8 ct/kWh Differenz, sind weitere 32 € drin.
  7. Preisinfos nutzen: Prüfen Sie stündliche Preise über SMARD/BNetzA und Apps Ihres Anbieters. Planen Sie Routinen (z.B. täglich 12–16 Uhr oder nachts 1–5 Uhr, je nach Wetter/Erzeugung). Wiederkehrende Timer vermeiden Vergesslichkeit.
  8. Sicherheit und Komfort: Wählen Sie Programme mit Zeitvorwahl und Türsicherung. Achten Sie auf Geräuschpegel bei Nacht und prüfen Sie, ob Ihr Versorger Preisobergrenzen oder Warnungen anbietet.

Konsequent angewandt sind 150–400 € pro Jahr realistisch, wenn Sie EV oder Wärmepumpe besitzen und zusätzlich PV-Eigenverbrauch erhöhen. Ohne EV/WP liegen Einsparungen eher im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich – abhängig von Ihrer verschiebbaren kWh-Menge und den tatsächlichen Preisdifferenzen.

Fazit

Lastverschiebung, dynamische Tarife, PV-Eigenverbrauch und smarte Steuerung greifen ineinander: stündliche Preissignale nutzen, Eigenverbrauch erhöhen und steuerbare Verbraucher intelligent planen. Das Umweltbundesamt zeigt, dass schon kleine flexible Anteile – etwa zwei Prozent – spürbar wirken. Mit intelligenter Messtechnik (MsbG), dem Rechtsrahmen für dynamische Tarife (EnWG §41a), den §14a-Regeln der BNetzA und einfachen Automationen lassen sich Kosten senken und gleichzeitig Netz und Klima entlasten.